Coin als Erinnerung

Survival in Pfullendorf: Ein Coin zur Erinnerung an eine Grenzerfahrung

Ein Hörsaal der Offizierschule der Luftwaffe in Bayern würdigt seine Absolvent*innen mit einem eigenen Coin. Wer ihn bekommen will, muss dafür Einiges leisten.

„Offizierschule der Luftwaffe“ – genau diese Bezeichnung steht auf der einen Seite der Münze, die Toni Arndt, Offizieranwärter an der Universität der Bundeswehr München in Neubiberg, bei derTaler in Auftrag gegeben hat. Mittig fällt eine Schwinge ins Auge – das Zeichen der Luftwaffe –, die umrankt ist von Eichenlaub – als Zeichen der Standhaftigkeit. 

Nun könnte man meinen, das sei aussagekräftig genug. Doch dahinter steckt noch viel mehr.Der Hörsaal „Charlie“ etwa. Dafür steht auch das große „C“ auf der anderen Seite der Münze.

Die offene Seite des Buchstaben teilt ein Schwert: das sogenannte Hörsaalschwert.


Es weist auf die Tradition hin, als jeder Generation von Offizieranwärter*innen das Schwert verliehen wird. Darüber ist zu lesen: „In Tradition verbunden“, die lateinische Übersetzung „In Traditio Juncta“ schmückt den unteren Teil der Rückseite. Die Zahlen daneben variieren: 115, 116, 117 – den jeder Jahrgang der Offizieranwärter*innen bekommt eine solche Münze überreicht. Wenn man bestimmte Voraussetzungen erfüllt.


Nun könnte man meinen, das sei aussagekräftig genug. Doch dahinter steckt noch viel mehr. Der Hörsaal „Charlie“ etwa. Dafür steht auch das große „C“ auf der anderen Seite der Münze. Die offene Seite des Buchstaben teilt ein Schwert: das sogenannte Hörsaalschwert. Es weist auf die Tradition hin, als jeder Generation von Offizieranwärter*innen das Schwert verliehen wird. Darüber ist zu lesen: „In Tradition verbunden“, die lateinische Übersetzung „In Traditio Juncta“ schmückt den unteren Teil der Rückseite. Die Zahlen daneben variieren: 115, 116, 117 – den jeder Jahrgang der Offizieranwärter*innen bekommt eine solche Münze überreicht. Wenn man bestimmte Voraussetzungen erfüllt.


Und hier kommt das Survival-Training ins Spiel. Wenn die jungen angehenden Offiziere etwa die Hälfte ihrer Ausbildung absolviert haben, nehmen sie an dem Lehrgang „Überleben Land“ in Pfullendorf in Baden-Württemberg teil, einer Überlebensausbildung, der Bestandteil des SERE-Trainings Level B ist mit ihren vier Bestandteilen „Survival“ (Überleben), „Evasion“ (Ausweichen), „Resistance“ (Widerstehen) und „Escape“ (Flucht). Dabei geht es darum, erklärt Toni Arndt, „dass man hinter feindlichen Linien wieder zurückkommen muss“. Und wenn die Kameraden das schaffen, stiftet der vorangegangene Jahrgang ebendiesen Coin.



Zusammenhalt, Kameradschaft, Erinnerung


Den Coin muss man sich verdienen. Er ist mit hohem Aufwand verbunden. Umso wertschätzender halten ihn die jungen Offizieranwärter*innen nach erfolgreichem Lehrgang in den Händen – und fortan in der Hosentasche. Denn in ihm bündelt sich alles, was die Ausbildung ausmacht: Zusammenhalt, Kameradschaft, Erinnerung an die gemeinsam verbrachte Zeit – und die eigene Grenzerfahrung beim Survival-Training in Pfullendorf.


„Die Idee zum Coin zur Erinnerung kam dadurch, dass wir etwas zusätzlich in der Hand haben wollten, was uns an die Zeit erinnert“, erzählt Toni Arndt. Denn das Schwert wird nach einem Jahr abgegeben; damit man nicht ohne irgendetwas Handfestes die Ausbildung verlässt, erhält jeder der angehenden Offiziere nach bestandener Überlebensprüfung diesen individuellen Coin, versehen mit seiner Jahrgangsnummer. So werde der Korps-Gedanke festgehalten: dass man immer zusammengeschweißt bleibt, über die Jahrgänge hinweg.


Designt hat den Coin ein Kamerad, Arno Mainzer. Auch sein Gedanke war der Coin als Identifikationsmerkmal, um sich innerhalb der Truppe wiederzuerkennen, auch wenn man aus unterschiedlichen Jahrgängen kommt. „Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist sofort da, das daraus resultiert: Wir sind alle mal in der Offiziersschule bei ‚Charlie‘ gewesen und haben alle das Gleiche erlebt, gemeinsam oder zu unterschiedlichen Zeiten“, erklärt Toni Arndt. Eine Tradition, die verbindet. So steht es auch auf der Münze.



Challenge durch Coin-Check


Ihn bekommen nur die Offizier*innen, die in „1./OSLw Charlie“ waren – der ersten Inspektion der Offizierschule im Hörsaal Charlie – und dort ihre Ausbildung absolviert haben. Auch die Hörsaalleiter*innen, ihres Dienstgrades Hauptmänner, bekommen für den jeweiligen Jahrgang ebenfalls den Coin als Erinnerung daran, dass sie die jungen angehenden Offizier*innen ausgebildet haben.


Auch wenn die Coin-Tradition in der gesamten Bundeswehr verbreitet ist – dieser spezielle Coin ist „noch recht frisch“, sagt Toni Arndt. „Das sind jetzt erst vier oder fünf Jahrgänge, die diesen Coin haben.“ Von Anfang an arbeiteten Arndt und Mainzer hier mit derTaler zusammen. Auch das hat mittlerweile Tradition. Das Einzige, was immer wieder geändert werde, sei die Zahl auf der Münze für den jeweiligen Jahrgang. Der Coin nimmt etwa die Hälfte der Handfläche ein. Von seinem goldenen Rand entrollt sich das schwarze Spruchband in Richtung Mitte. 


So frisch der Coin sein mag, was wäre ein Coin ohne Coin-Check? Man sollte seinen Coin möglichst immer bei sich tragen, so lautet die Grundregel der in der Bundeswehr verbreiteten „Challenge“, der Herausforderung. Sonst kann es passieren, dass zwei Coin-Inhaber aufeinandertreffen und einer von beiden, der seinen Coin nicht dabeihat, muss eine Runde zahlen. Normalerweise ist diese Runde bezogen auf Getränke. Umtrunk, Feiern sind der Klassiker. Aber Toni Arndt und seine Kamerad*innen haben den Coin-Check ihrem Alltag angepasst. Sie fordern einander auch in anderen Situationen heraus.



Stolz auf die eigene Leistung


„Es gab zum Beispiel eine Situation, da stand ich hier beim Frühstück und wollte gerade an der Kasse bezahlen, da kam ein Kamerad von früher auf mich zu und fragte mich, ob ich meinen Coin dabeihätte, denn er würde sich freuen, wenn ich sein Frühstück mitbezahlen würde. Ich hatte meinen natürlich dabei – somit musste er das Frühstück von uns beiden begleichen.“


In einer anderen Situation saßen alle zusammen beim Essen, ein Korps-Treffen – das sei „schon eine Weile her, noch vor Corona“. Es ging darum, ob die Kamerad*innen noch ein Dessert bestellen sollten. Die Entscheidung erleichterte der Coin-Check erheblich: Ein Kamerad wurde herausgefordert, und siehe da, er hatte seinen Coin nicht dabei. So hat er die Runde Dessert bezahlt.


Auch bei diesem Korps-Treffen erinnerten sich die Offizieranwärter*innen an ihr Überlebenstraining: den wenigen Schlaf, kaum Essen, lange Märsche, die ganze Nacht hindurch. An das Szenario, das sie herausforderte: ein Absturz mit dem Helikopter, schnelles Sammeln, Funkspruch abgeben, Koordinaten durchgeben, in Feindesland nicht entdeckt werden, Funktionieren im Stress.


Es ist auch diese Grenzerfahrung, an die der Coin erinnert. Es ist eine Erinnerung an die eigene Leistung. „Man ist da sehr stolz auf sich, das prägt einen, entsprechend wertvoll ist diese Würdigung durch den Coin“, erklärt Toni Arndt: „Etwas ganz Besonderes.“

E-Sport Event Medaillen

Maschinen und Medaillen

Martin Rabl und Jan-Hendrik Pfitzner vom Softwareentwickler GIANTS Software über die Weltmeisterschaft im Landwirtschafts-Simulator, die effektive Zusammenarbeit mit Herstellern und die Faszination von Medaillen


Blau-weiße Trikots, funkelnde Goldmedaillen, jubelnde Gewinner auf dem Siegertreppchen – Jan-Hendrik Pfitzner denkt gerne an diese Szene vom E-Sports Event Herofest 2019 in Bern zurück. „Die Jungs von Trelleborg waren in dieser Saison zwar nicht die Einzigen mit einer Goldmedaille, aber sie haben bei vielen Events gewonnen, auch in Bern“, sagt der Technische Projektkoordinator von GIANTS Software, einem der erfolgreichsten Spieleentwickler aus Europa.  



Eines der beliebtesten Spiele der Firma, die in Zürich in der Schweiz, in Brno in Tschechien und im bayerischen Erlangen ihren Sitz hat, ist der „Farming Simulator“, der Landwirtschafts-Simulator.

Offene Welten, authentische Landmaschinen und hängende Brücken

„Das muss man sich ein wenig anders vorstellen als die typischen Konsolenspiele“, sagt Marketingchef Martin Rabl. „Es läuft nicht so, dass man etwa drei Leben hat, etwas einsammeln muss, und dann ist das Spiel zu Ende.“ Der Landwirtschafts-Simulator sei vielmehr eine „offene Welt“, die man erkunden könne. Das Besondere an dem Spiel sind die authentischen Landmaschinen, viele verschiedene Traktoren und Erntefahrzeuge.

Das Besondere: Der Spieleentwickler arbeitet eng mit der Industrie zusammen – mehr als 100 Marken kommen in dem Spiel mittlerweile zum Einsatz; rund 400 animierte Maschinen und Geräte von mehr als 100 Herstellern landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte – die Mähmaschine und den Pflug kann man ausklappen, die Original-Motorengeräusche klingen wie auf dem Acker.

Der Landwirtschafts-Simulator wurde in der Schweiz entworfen. Um das Ganze auch für jüngere Spieler interessanter zu machen und das Spiel auch auf Spielemessen wie etwa der „Gamescom“ live zu spielen, ist die Idee entstanden, „jungen Fans Events anzubieten, bei denen sie virtuell gegeneinander antreten können“, erzählt Martin Rabl.

Denn Landmaschinen allein reichen nicht – man müsse den Spielern schon etwas bieten, um gegeneinander antreten zu können. „So haben wir ein Tool kreiert, mit dem Dreier-Teams gegeneinander spielen können“, erklärt Jan-Hendrik Pfitzner. Diese müssen innerhalb von 15 Minuten so viel Getreide wie möglich ernten, aus dem gedroschenen Stroh so viele Ballen wie möglich pressen und diese Ballen zu einem bestimmten Platz an der Scheune abliefern – nicht, ohne Hindernisse zu überwinden, Hängebrücken zu überqueren oder den Gegner zu blockieren.

Die Firmen stellen die Teams

Erstmals haben die Spieleentwickler 2017 auf der „Agritechnica“ in Hannover, der weltgrößten agrartechnischen Fachmesse, zusammen mit „profi“, dem Magazin für professionelle Agrartechnik, einen Stand gestaltet, bei dem sie die „Farming Simulator Championship“, die Weltmeisterschaft im Landwirtschafts-Simulator, ausgerichtet haben.

„Das kam so gut an bei den Besuchern, dass wir daraus etwas Größeres aufgezogen haben“, erzählt Jan-Hendrik Pfitzner. Daraus erwuchs rasch die Idee einer eigenen Liga. Auch hier arbeitet GIANTS Software mit der Landwirtschaftsbranche zusammen: Die Firmen stellen die Teams. Somit bietet die Liga eine werbewirksame Vernetzung, die allen Seiten zugutekommt.

„Jemand, der die Maschinen kennt, der sie vielleicht baut und ihre Einzelteile zusammensetzt, hat die Passion, das Spiel professionell zu spielen – da spielt dann Krone gegen Lindner, Pöttinger gegen John Deere, Valtra gegen Hörmann, Trelleborg gegen Corteva Agriscience. Alles namhafte Hersteller, und alle wissen genau, worauf es ankommt“, sagt Jan-Hendrik Pfitzner.

Um den Gewinnern auch etwas in die Hand geben zu können, nahm die E-Sports Event Medaillen-Idee schnell Fahrt auf. „Bei Sportveranstaltungen ist das ja fester Bestandteil – man bekommt einen Pokal, Medaillen, eine Urkunde. Das wollten wir natürlich auch.“ So gibt es einen Pokal und Urkunden. Aber der absolute Hit seien zweifelsohne die Medaillen. Und wie sich das im Sport gehört – ob nun analog oder im E-Sport – in Gold, Silber und Bronze. Die goldenen Medaillen bestehen aus Bronze, die silbernen aus Nickel, die bronzenen aus Kupfer.

Die Events vor der Corona-Pandemie fanden in ganz Europa statt: in Zürich, Köln, Paris, Bern, Hannover, Leipzig, Poznan und Katowice etwa. Bei allen großen E-Sport-Events war GIANTS Software mit dem Farming Simulator dabei – samt Medaillen im Gepäck.

Sport-Medaillen zur Erinnerung: „So eine Medaille wollen alle haben.“

„Die Medaillen kommen so gut an bei den Spielern – alle wollen am Ende so eine Münze haben“, berichtet GIANTS-Projektkoordinator Pfitzner stolz. „Die Medaille kann man eben nicht einfach kaufen“, gibt Marketingchef Martin Rabl zu bedenken. Die gebe es nur bei den GIANTS Software Events. Und da sei der Anreiz groß. Denn so eine E-Sports Event Medaille wollen alle haben.

„So ist das mit Medaillen – an denen hängen Erinnerungen, man verbindet sie mit seinen sportlichen Leistungen, ist stolz darauf“, meint Martin Rabl. Auch er habe seine Sport-Medaillen aus der Kindheit aufbewahrt. „Die hat man dann und gibt sie ungern her.“ Sie im Laden zu kaufen, sei nun einmal  nicht dasselbe.

Auf den Gold-, Silber- und Bronzemedaillen sind jeweils die Liga-Jahre geprägt samt des Schriftzugs „Farming Simulator League“. Und das schon in der dritten Saison. Fanden die ersten beiden Saisons noch live vor Ort statt, mussten die Meisterschafts-Veranstalter von GIANTS Software die Wettkämpfe in dieser Saison in den Online-Bereich verlagern. Die E-Sport Event Medaillen werden dann per Post versandt.

Auf den Gold-, Silber- und Bronzemedaillen sind jeweils die Liga-Jahre geprägt samt des Schriftzugs „Farming Simulator League“. Und das schon in der dritten Saison. Fanden die ersten beiden Saisons noch live vor Ort statt, mussten die Meisterschafts-Veranstalter von GIANTS Software die Wettkämpfe in dieser Saison in den Online-Bereich verlagern. Die E-Sport Event Medaillen werden dann per Post versandt.

Sobald es vertretbar sei, Turnier-Events auch wieder live zu veranstalten, mit Publikum, werde man in die nächste Saison starten. Bis dahin scheut das Marketing-Team von GIANTS Software keine Mühen, um auch die Online-Turniere der Saison so krisensicher wie möglich auszustatten: Auf ihrem Gelände in Erlangen haben sie ein Studio aufgebaut für die Moderatoren. So können diese gewohnt professionell durchs Online-Event führen. Und in den Pausen werden Videos von vergangenen Veranstaltungen eingespielt – samt Preisverleihung mit den begehrten Gold-, Silber- und Bronze-Medaillen.

Stadttaler als Geschenk

Ein Taler, viele Vorteile: Der Arnsteiner Stadttaler  

Der Arnsteiner Stadttaler wird als Geschenk und Zahlungsmittel eingesetzt. Er stärkt die Identifikation mit der Region wie auch die regionale Wirtschaft – besonders während der Coronakrise ein Plus


Nathine Willert strahlt. Stolz zeigt die Verantwortliche für das Arnsteiner Stadtmarketing den „Arnsteiner Stadttaler“, eine Aktion, die sie 2020 in Kooperation mit dem städtischen Gewerbe und der Gastronomie angestoßen hat. Die Münze aus Neusilber hat die Marketingexpertin selbst entworfen, zusammen mit der Dritten Bürgermeisterin Bettina Schmitt.

Auf der einen Seite leuchten zwölf Strahlen hinter der reliefartigen Panorama-Ansicht der Stadt Arnstein, dabei umschließen sie die Ziffer 5 – sie symbolisiert den Wert des Stadttalers: 5 Euro. Die Strahlen ihrerseits symbolisieren Arnstein und seine elf Ortsteile. Die Strahlen sind auf der anderen Seite des Talers wieder aufgegriffen, in ihrer Mitte zusammengehalten vom Stadtwappen mit Adler. „Das hat uns derTaler wunderbar gemacht“, sagt Nathine Willert rückblickend.

„Es ging ein paarmal hin und her, um Details anzupassen, hier kleiner, dort größer, die Strahlen dicker, das Wappen dünner, die Zusammenarbeit war wirklich schön“, schwärmt sie. Dann hält sie kurz inne. „Als wir den Stadttaler im Dezember 2020 der Presse vorgestellt haben, sagte der Redakteur: ‚Frau Willert, das ist ein Eigentor.‘ Warum, habe ich gefragt. Die Münze sei zu schön, meinte er. Die Münze werden die Leute sammeln, sie wird nicht in Umlauf kommen.“

Win-Win und Eigentor

Doch genau das hatte die Marketingchefin geplant – ein Stadttaler als Geschenk und Würdigung für Arnsteiner Jubilare, Geburtstagskinder und Geehrte, die dann ihrerseits die Münze in regionalen Läden und Geschäften als Zahlmittel einsetzen und so die einheimische Wirtschaft stärken. Ein sich selbst tragender Kreislauf für die kommenden Jahre. Und eine Win-Win-Situation für alle – inklusive Stärkung der Gemeinschaft.

 

„Für unsere Jubilare hatten wir ein einheitliches und besser verwendbares Geschenk gesucht“, erzählt die Marketingleiterin. Anlässe zum Schenken gibt es in Arnstein viele. Und die Stadt bedenkt ihre Jubilare großzügig mit Aufmerksamkeiten. So bekommt jeder Jubilar ab dem 70. Lebensjahr jedes Jahr einen Geburtstagsgruß vom Bürgermeister; andere Arnsteiner werden gewürdigt, zu unterschiedlichen Ehejubiläen oder wenn ein Kind auf die Welt kommt. Es gibt Geschenke zum 80., 85. 90., 95., 100. Geburtstag – jeder Geburtstag hatte ein anderes Geschenk, jedes Geschenk einen anderen Wert.

Doch besonders in den vergangenen Jahren kamen vermehrt Reaktionen wie: „Danke für den Präsentkorb, aber die Bonbons kann Oma nicht essen, sie hat schwere Diabetes.“ Oder: „Die Arnsteiner Fleischspezialitäten von der hiesigen Metzgerei sind ja wunderbar, aber ich bin Vegetarier.“ Oder: „Danke für den Wein, aber ich mag lieber Bier.“

Nathine Willert und und Bettina Schmitt machten sich Gedanken. Bald war die Idee zur individuellen Münze geboren. Denn so ein Stadttaler ist flexibel in all jenen Geschäften einsetzbar, die sich an dem Konzept beteiligen. „Wenn die Leute statt des Präsentkorbes eine Münze bekommen, können sie sie einsetzen, wo und wann sie wollen – ob sie im Blumenladen einen Strauß kaufen, beim Metzger Leckereien, beim Bäcker Kuchen oder im Brillenladen die Batterien fürs Hörgerät – das entscheidet jeder selbst und ist zufrieden.“

Freude schenken und regionale Kaufkraft stärken

Zum Geburtstag bekommt beispielsweise man einen Stadttaler im Wert von fünf Euro, zum 80. Geburtstag zwei Taler, zur goldenen Hochzeit fünf Münzen. Darüber hinaus können die Arnsteiner die Münze aus Neusilber im Stadtbüro am Schweinemarkt kaufen. Freude schenken mit dem Stadttaler – das kommt sehr gut an.

„Zu Ostern war zum Beispiel eine Großmutter da, die sieben Münzen für ihre Kinder und Enkel gekauft hat.“ So werde die Kaufkraft an die regionalen Anbieter gebunden, meint Nathine Willert. Ihr war es wichtig, nichts Anonymes, Unpersönliches zu schenken. Denn wieso ein Gutschein von großen Versandunternehmen wie Amazon, Google, Zalando? „Wir wollten keinen Gutschein in Umlauf bringen, sondern eine Münze, auch, um die Kaufkraft bei uns in Arnstein zu stärken“, sagt Nathine Willert. Auch Gastwirtschaften machen mit – insgesamt beteiligen sich etwa 20 lokale Geschäfte, die den Stadttaler annehmen.

Nathine Willert hatte sich das so vorgestellt: Die Leute setzen den Stadttaler ein, die Ladeninhaber bringen ihr die eingenommenen Stadttaler zurück und wechseln sie in Bares ein. Doch so stimmig das Konzept schien, so sehr sollte der Lokalreporter Recht behalten. Von 500 seit Mitte Dezember in Umlauf befindlichen Stadttalern kamen bislang sage und schreibe fünf zu Nathine Willert zurück.

Sie ist immer noch fasziniert davon. „Es ist ja toll, wenn die Leute den Stadttaler so schön finden. Die Leute sollten sich ja mit dem Taler identifizieren. Doch dass sie sich so stark damit identifizieren, dass sie die Münze gleich behalten statt sie einzusetzen, damit haben wir nicht gerechnet.“

Inzwischen hat die Marketingchefin 500 weitere individuelle Münzen nachbestellt. „Denn wir brauchen für unsere nächsten Jubilare ja Nachschub!“

500 Stadttaler in vier Monaten – etwa 50 Münzen pro Monat – das ist beachtlich. Dafür, dass Arnstein ein recht überschaubares Städtchen ist mit rund 8000 Einwohnern, das sich zumal auf eine Fläche von zwölf Ortsteilen erstreckt, ist der Stadttaler ein Riesenerfolg.

Coronakonform und sicher für den guten Zweck

„Die Leute freuen sich sehr über den Stadttaler – zumal der Stadttaler auch coronakonform ist und entsprechend verpackt wird mit schönen Karten samt aufgelisteten Läden, wo die Münzen eingelöst werden können“, sagt Nathine Willert. Corona – auch das sei ein Aspekt, der ins Gewicht fällt.

Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten ist groß: Vom Gasthof, Café, Gärtnerei, Blumenladen, Physiopraxis, Winzer, Bistro bis Schuhgeschäft machen lokale Unternehmen mit. Und es sind eben die kleinen Geschäfte – nicht die großen. Das wollte Nathine Willert bewusst so halten. Denn die kleinen Geschäfte seien durch die Corona-Pandemie ohnehin stärker gebeutelt als die großen Supermärkte – besonders in dieser Krise ist der Stadttaler eine ebenso elegante wie praktische Möglichkeit, sie zu unterstützen.

Auch die Konsumenten seien durch Corona und die wechselnden Bestimmungen verunsichert, meint Nathine Willert. Sie will sie nun darin bestärken, den Stadttaler auch in Umlauf zu bringen. Denn der Einkauf mit ihm ist rundum sicher – und dient auch noch einem guten Zweck.

Sie hofft, dass die Jubilare nur einen Stadttaler als Andenken behalten und den Rest in Umlauf bringen und auch dort eingesetzt wird, wo er angedacht war und gerade in der Corona-Pandemie dringend als Anschub gebraucht wird – in den lokalen Geschäften. Denn die sollen den Arnsteinern auch nach möglichen Lockerungen erhalten bleiben.

Fregattencoin

Ice-melange und Harbour-blue: Ein individueller Coin für die Marine

Elke Krüger, Leiterin des Referates Bildung, Wissenschaft, Kultur, Auswärtiges, Verteidigung, Veranstaltungen, Verwaltung der Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund über die „Fregatte Brandenburg“, 25 Jahre Patenschaft und ein spezielles Design aus Brandenburg

Frau Krüger, seit 25 Jahren hat das Land Brandenburg eine Patenschaft mit der Fregatte „Brandenburg“, einem Schiff der Bundesmarine. Was steckt dahinter?

Die Patenschaft zwischen dem Land Brandenburg und der Fregatte wird auf Brandenburger Seite gemeinsam vom Landtag und der Regierung getragen. Daher sind in der Regel die Landtagspräsidentin, Ulrike Liedtke, und der Ministerpräsident, Dietmar Woidke, Garanten für die Patenschaft in Brandenburg. Auf der Fregatte sind das immer der jeweilige Kommandant und ein sogenannter Patenschafts-Offizier, mit denen wir versuchen, diese Patenschaft am Leben zu erhalten und auszugestalten.

Sind auch Marinesoldaten aus Brandenburg an Bord?

Auch. Aber dort dienen nicht nur Brandenburger – aber vielleicht ja künftige Brandenburger, wer weiß? Denn natürlich kann so eine intensive Patenschaft – die ja auch eine Partnerschaft ist – dazu beitragen, das Land so gut kennenzulernen, dass man sich sogar vorstellen kann, später dort zu leben. Das würde uns jedenfalls freuen.

Wie kam es vor 25 Jahren zu der Patenschaft?

Ingrid Stolpe, die Ehefrau des damaligen Brandenburger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe, hat damals die Fregatte getauft. Im Laufe all dieser Jahre haben wir uns immer bemüht, mehr daraus zu machen, als den Soldatinnen und Soldaten regelmäßig Weihnachtsbriefe zu schreiben und ab und zu mal eine Abordnung im Land zu empfangen.

Was haben Sie sich stattdessen einfallen lassen?

Der Heimathafen der Fregatte ist Wilhelmshaven, das ist ziemlich weit weg. Die Besatzung kann also nicht immer zu uns kommen, und wir können auch nicht immer dorthin fahren. Zur Patenschaft gehört gegenseitiger Austausch: Man besucht sich gegenseitig, man versucht, darzustellen, was das Schiff macht, wie die Soldaten dort arbeiten, und umgekehrt ebenso. Wir versuchen zu zeigen, wie groß unser Bundesland ist, wie unterschiedlich, wie schön, welche Stärken es hat, aber eben auch, welche Industriestandorte. Denn nicht alle der Soldatinnen und Soldaten auf der Fregatte sind ja Berufs-, sondern viele von ihnen auch Zeitsoldaten. Und wenn sie nach ihrem Dienst im beruflichen Leben im zivilen Alltag wieder unterkommen wollen, bieten wir natürlich immer Unterstützung an – wenn sie sich denn in Brandenburg ansiedeln wollen.

Die Patenschaft also über gegenseitige Besuche hinaus?

Ja, weit darüber hinaus. Dazu gehört auch, dass die Fregatte ihrerseits eine Patenschaft für ein Kinderheim in Trebbin übernommen hat. Immer, wenn die Soldaten in Brandenburg sind, fahren sie auch dorthin. Im Gegenzug werden Kinder und Jugendliche aus diesem Kinderheim für Ferienaufenthalte auf die Fregatte geholt.

Gibt es weitere Aspekte der Patenschaft?

Ja. Auf dem Schiff hat jeder seine Kammer, in der sind aber nur die wenigsten allein. Es gibt keinen Platz dort, wo man sich sonst privat aufhalten kann. Das „Wohnzimmer“ sind die sogenannten Messen – wo man dann auch essen und sich abends hinsetzen kann. Auf der Fregatte gibt es vier davon: Mannschaftsmesse, Unteroffiziersmesse, Portepeeunteroffiziersmesse und Offiziersmesse. Und die Portepeeunteroffiziersmesse hat ihrerseits eine eigene kleine Patenschaft mit den „Langen Kerls“ in Potsdam, einem Verein, der die Tradition der Potsdamer Riesengarde pflegt. Und der Werderaner Tannenhof stiftet in jedem Jahr die Weihnachtsbäume für die Messen und das Flugdeck.

25 Jahre sind nicht das erste Jubiläum. Wie haben Sie die Patenschaft in den vergangenen Jahren gefeiert?

Ein Highlight war das Jubiläum „20 Jahre Patenschaft“. Dafür haben wir damals einen Marsch komponieren lassen für die Fregatte. Soweit mir bekannt, ist die „Brandenburg“ das einzige Schiff der deutschen Marine, das einen eigenen Marsch hat! Das Landespolizeiorchester hat den Marsch damals auf dem Flugdeck des Schiffes uraufgeführt.


Das war ja schon etwas sehr Besonderes. Wie konnten Sie das zum 25-jährigen Jubiläum noch toppen?

Wir haben uns alle getroffen – Landtag, Landesregierung, Lange Kerls, Landeskommando der Bundeswehr, Landrat – und überlegt, was wir machen können. Die Fregatte selbst hatte auch eine Idee. Solche Ereignisse sind immer auch ein guter Anlass, um sich etwas schenken zu lassen.

Schön, wenn es etwas Bleibendes ist – so wie der Marsch.

Das stimmt. Die Soldatinnen und Soldaten haben damals zwar auch alle eine CD bekommen, aber der Marsch gehört dem Schiff. Daher wollten wir diesmal etwas finden, was zwar für das Schiff ist, aber auch etwas Individuelles für die Soldatinnen und Soldaten.

Was haben Sie sich überlegt?

Die Mannschaft hat sich ein T-Shirt gewünscht, auf dem „Fregatte Brandenburg“ und „Patenschaft“ steht. Im brandenburgischen Hoppegarten hat die Firma Camp David ihren Sitz – die Soldatinnen und Soldaten haben gefragt, ob man dieses T-Shirt nicht dort bestellen könne. Ich nahm daraufhin Kontakt mit der Firma auf. Herr Finkbeiner, einer der Eigentümer, sagte: „T-Shirt kann jeder. Wir machen euch eine Kollektion.“ Die Designer von Camp David haben dann verschiedene Kleidungsstücke entworfen – T-Shirt, Poloshirt, Hoodie und Basecap, das Ganze in zwei Farbvarianten – Ice-melange und Harbour-blue.

Ganz maritim.

In der Tat! Davon waren wir alle so begeistert, dass wir gesagt haben: Der Hoodie ist das Wertvollste, wir schenken jedem Soldaten und jeder Soldatin einen Hoodie zum 25-jährigen Jubiläum. Die Designer haben sich wunderbare Details ausgedacht – die haben wir auch auf dem individuell geprägten Marine Coin aufgegriffen.

Welche Details sind das?

Zum Beispiel die Worte „Naval Base“ in der Farbe Blau-marine – das ist ein Entwurf von Camp David. Die Rückseite der Münze hebt sich damit von der Vorderseite ab, auf der der Schriftzug „25 Jahre Patenschaft Land Brandenburg mit Fregatte Brandenburg“ schon auf den Anlass hinweist.

Das heißt, die Idee mit der Kleidung war zuerst da, dann kam der individuelle Coin hinzu?

So ist es. Wir dachten, ein sogenannter Challenge Coin wäre die ideale Ergänzung, und dann auch noch in Kombination mit dem Hoodie und dem Camp David-Design als verbindendem Element – perfekt!

Warum der genau dieser Bundeswehr Coin?

Das passt einfach zur Marine. Ursprünglich stammt ja die Idee aus den USA, von der amerikanischen Marine, und stellt die Zugehörigkeit zu einer Einheit dar. Diesen Marine Coin sollte man in der Regel in der Tasche haben – für den Fall eines „Coin Checks“. Dann muss man ihn vorzeigen, und wer ihn nicht dabeihat, gibt eine Runde Getränke aus. Das ist inzwischen auch bei der Bundeswehr sehr verbreitet.

Wie einfach oder schwierig war die Umsetzung? Solche Designdetails wie das von Camp David sind ja urheberrechtlich geschützt.

Camp David und auch die Führung der Fregatte – für die hat ja letztlich Camp David alles entworfen –haben uns erlaubt, das Design einmalig für diesen individuellen Marine Coin zu verwenden beziehungsweise für alles, was wir im Rahmen dieses Jubiläums sonst noch vorhatten.

Taucht das Detail auch noch woanders als auf dem Coin auf?

Ja, die Brauerei in Templin etwa hat ein spezielles Bier gebraut und es mit einem Jubiläumsetikett beklebt – da taucht das Motiv „Naval Base“ ebenfalls auf.

Wie groß ist der Coin?

Da haben wir lange überlegt. Normalerweise sind Coins etwas kleiner. Unserer ist eine Mischung aus Coin und Medaille, denn, wenn man ihn umdreht, hat man die Medaille mit dem Brandenburger Wappen, dem Adler.

Die Soldaten haben also einen Hoodie und einen individuellen Coin bekommen?

Und ein EPA! Ein Paket, das Soldaten als Einmann-Notration erhalten. Jeder Landrat hat aus seinem Landkreis ein typisches Produkt ausgesucht – Einlegesohlen aus Alpaca-Wolle, eine kleine Flasche Eierlikör, Sanddornmarmelade, eine Baumkuchentorte, Tannenlikör, Hanfsamenhonig-Aufstrich und vieles mehr. All das haben wir in ein sogenanntes BB-EPA verpackt, insgesamt 250 Stück. EPA, Hoodie und Coin hat dann jeder Soldat bekommen.


Kameradinnen und Kameraden des Technischen Hilfwerks aus dem Landkreis Barnim haben die EPAs ehrenamtlich alle gepackt und nach Wilhelmshaven transportiert.

Klingt aufwendig. Wie kamen die Geschenke an?

Soldaten fanden es toll! Vor allem, weil wir so vielfältige Dinge über das Land hineingetan haben und sie so viele Infos über Brandenburg dazubekommen haben. Was den finanziellen Aufwand anging, hatten wir mit Hoodie und EPA ziemlich unser Budget ausgeschöpft.

Daher waren wir froh, dass sich für den individuellen Marine Coin zwei Sponsoren gefunden haben, der Verein Pro Brandenburg e.V. und die Sparkasse Barnim – sie haben sich zusammengetan und den Coin für uns beim Taler bestellt. Die Zusammenarbeit mit derTaler war so unkompliziert und die Mitarbeiter unglaublich hilfsbereit – die Firma ist in Vorleistung gegangen, auch als die Finanzierung noch in der Schwebe war, das hat uns sehr entlastet. Da kann man nur herzlich Danke sagen!


Wie haben Sie dann den Marine Coin, Hoodie und EPA übergeben?

Am 31. Oktober 2019 sind wir mit großer Delegation zur Party nach Wilhelmshaven gereist – mit der Landtagspräsidentin, dem Innenminister, den Langen Kerls, THW und der Combo vom Landespolizeiorchester. Der Aufwand hat sich gelohnt – die Mannschaft war begeistert.

Münzen zur Motivation

Schule des Lebens: 60 Münzen für den Klassenausflug

Das Belohnungssystem des Schweizer Grundschullehrers Tim Schriber basiert auf Münzen. Doch es geht dabei um viel mehr als Motivation allein   

„Ich glaube, dass meine Geschichte nicht allzu spektakulär ist“, winkt Tim Schriber bescheiden ab. Das sehen seine Schüler anders. Es ist Freitagnachmittag. Gerade ist der Primarlehrer vom Unterricht nach Hause gekommen, wieder liegt eine Woche voller aufregender Unterrichtsstunden hinter ihm und seinen Viertklässlern in Winkel, einer malerischen Gemeinde im Schweizer Kanton Zürich. Als Klassenlehrer einer vierten Klasse unterrichtet der 34-jährige Pädagoge alle wichtigen Fächer selbst, und das noch zwei Jahre lang – bis die Kinder ab der siebten Klasse auf weiterführende Schulen wechseln.

Für die Grundschuljahre hat sich der 34-Jährige etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Münzen als Anreiz. Speziell für seine 21 Viertklässler hat Tim Schriber zwei Arten derselben Münze prägen lassen – einen Stapel Münzen für die Jungen, einen für die Mädchen.

Darauf ist das Logo der Schule zu sehen: „Schule Winkel“. Auf der Rückseite sind im Kreis die Namen der Kinder angeordnet – die der Jungen auf der einen Münze, die der Mädchen auf der anderen. „Sonst wäre es ein bisschen eng geworden mit dem Design“, sagt Tim Schriber lächelnd. In der Mitte nehmen vier Hände den Blick ein, die nacheinander greifen – ein Symbol für Zusammenhalt.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Lehrer Münzen zur Motivation im Unterricht einsetzt. Schon früher hat er Münzen bei derTaler prägen lassen, für andere Klassen, immer mit unterschiedlichem Design. Das kam so gut an, dass es ihn darin bestärkte weiterzumachen. Die aktuelle Münze gehören zu Schribers Belohnungssystem, das er für die Klasse eingerichtet hat.

Ansparen, tauschen, einlösen – ganz spielerisch

Und das funktioniert so: Die Kids können die Münze sammeln. Sie bekommen sie dann, wenn sie sich fair und sozial verhalten. Aber auch, wenn ihr Lehrer eine Art unterrichtsbezogenen Wettbewerb ausruft, in dem die Kinder bestimmte Ziele erreichen müssen. Etwa die Hausaufgabe, sich Englischvokabeln einzuprägen. Wer von zehn Wörtern sieben beherrscht, erhält eine Münze. Dasselbe gilt für Aufgaben jeglicher Art in den anderen Fächern. Doch das ist erst der Anfang.

Denn wenn die Kinder eine bestimmte Anzahl Münzen „angespart“ haben, können sie sie eintauschen für Belohnungen, die sie selbst wählen. Und das sind keine materiellen Belohnungen. Für 15 Münzen zum Beispiel dürfen sie sich ein Spiel im Sport wünschen; mit 60 Münzen lösen sie einen Tagesschulausflug ein, dessen Ziel die Kinder bestimmen dürfen. 

„Die Kinder entscheiden selbstbestimmt, was sie wofür einsetzen wollen und überlegen sich, welche Art Belohnung es sein soll. Und sie entscheiden auch über den Wert der Belohnung“, sagt Tim Schriber. Das ist ihm wichtig.

Denn die Münzen sind weitaus mehr als eine 1:1-Belohnung für gute Leistungen. Und mehr auch als ein ausgeklügeltes Motivationssystem für soziales Verhalten. Mithilfe der Münzen lernen die Zehnjährigen, wie es sich anfühlt, selbstständig und im Team Entscheidungen zu treffen, Werte abzuwägen, Gemeinschaftssinn zu entwickeln. Und so ganz nebenbei verstehen sie auch noch, wie Demokratie funktioniert. Ganz spielerisch.

Abstimmungen und Austausch: Demokratie im Mini-Format

Dass es zum Beispiel 60 Münzen sein sollen für den Wandertag und nicht 50, haben die Kinder gemeinsam im Klassenrat entschieden. „Sie votieren für den Wert, diskutieren, warum eine Belohnung sinnvoll ist und warum nicht, und dann wird abgestimmt“, beschreibt Tim Schriber den Ablauf.

Doch nicht nur an Politik und gesellschaftliche Fragen führt der Lehrer seine Grundschüler auf diese Art und Weise heran. Auch mit ersten wirtschaftlichen Fragestellungen, denen sie später im alltäglichen Leben immer wieder begegnen werden, lernen sie dank der Münzen umzugehen. Genau das ist das Ziel des Lehrers: ein Wettbewerb – ethisch, praktisch und lebensnah.

Tim Schribers Anliegen ist es, die Kinder in ihrer persönlichen Entwicklung zu stärken und zu fördern – und das in Verbindung mit dem Unterrichtsstoff. Sein Münz-Belohnungssystem hat er sich selbst ausgedacht. Und dabei im Laufe der Zeit interessante Beobachtungen gemacht: Manche Kinder heben sich ihre Belohnungsmünzen auf, bis sie genug zusammengespart haben, um sie für „wertvollere“ Belohnungen einzulösen. Ihren Klassenkameraden sind hingegen andere Werte wichtig – sie lösen bereits fünf Münzen für vermeintlich kleinere Belohnungen ein.

Bei den Kindern kommt das Münzsystem gut an. Einige Eltern hingegen waren anfangs skeptisch. Doch inzwischen stehen alle dahinter, denn es wurde rasch klar, wie viel mehr hinter den Belohnungen steckt: Austausch, Miteinander, Selbstbestimmtheit, Beteiligung an Entscheidungen über das eigene Lernverhalten, Nachdenken über eigene Motivation.

„Nur das Theoretische alleine bringt nichts“, ist Tim Schriber überzeugt. „Die Kinder müssen diese vielfältigen Erfahrungen machen. Dazu gehört auch, dass sie mal eine Münze verlieren können.“

Münzen eröffnen Perspektiven

Denn es ist nicht so, dass es keine Regeln mehr gibt – die gelten natürlich trotz des Münz-Belohnungssystems. Wenn etwa ein Schüler immer wieder mehrmals hintereinander trotz Ermahnungen den Unterricht stört, kann es passieren, dass der Lehrer ihm eine Münze abnimmt. „Das wird aber angekündigt“, sagt Schriber. „Die Schüler haben zwei Chancen, ihr Verhalten anzupassen.“

Und noch etwas ist fester Bestandteil des Konzepts: Wöchentlich wird über die „Münz-Politik“ gesprochen, das System auf den Prüfstand gestellt. Das gehöre zum demokratischen Prozess dazu, meint der Schweizer Pädagoge. Seine Meinung zu äußern, zu diskutieren, überstimmt zu werden.

Tim Schriber nimmt jede Rückmeldung ernst. „Demokratie ist nie einfach – es bedeutet viel Arbeit, es bedeutet, andere Meinungen anzuhören, stehenzulassen, zu respektieren. 21 Kinder und ein Lehrer – das sind schon mal 22 Meinungen“, sagt Schriber lachend.

Auch für die Zukunft eröffnen die Münzen Perspektiven: Während die einen zum Sparen neigen, geben die anderen das Geld aus und investieren es. Auch das hat die Eltern überzeugt: dass ihre Sprösslinge nicht nur für die Schule lernen – sondern fürs Leben.