Fregattencoin

Ice-melange und Harbour-blue: Ein individueller Coin für die Marine

Elke Krüger, Leiterin des Referates Bildung, Wissenschaft, Kultur, Auswärtiges, Verteidigung, Veranstaltungen, Verwaltung der Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund über die „Fregatte Brandenburg“, 25 Jahre Patenschaft und ein spezielles Design aus Brandenburg

Frau Krüger, seit 25 Jahren hat das Land Brandenburg eine Patenschaft mit der Fregatte „Brandenburg“, einem Schiff der Bundesmarine. Was steckt dahinter?

Die Patenschaft zwischen dem Land Brandenburg und der Fregatte wird auf Brandenburger Seite gemeinsam vom Landtag und der Regierung getragen. Daher sind in der Regel die Landtagspräsidentin, Ulrike Liedtke, und der Ministerpräsident, Dietmar Woidke, Garanten für die Patenschaft in Brandenburg. Auf der Fregatte sind das immer der jeweilige Kommandant und ein sogenannter Patenschafts-Offizier, mit denen wir versuchen, diese Patenschaft am Leben zu erhalten und auszugestalten.

Sind auch Marinesoldaten aus Brandenburg an Bord?

Auch. Aber dort dienen nicht nur Brandenburger – aber vielleicht ja künftige Brandenburger, wer weiß? Denn natürlich kann so eine intensive Patenschaft – die ja auch eine Partnerschaft ist – dazu beitragen, das Land so gut kennenzulernen, dass man sich sogar vorstellen kann, später dort zu leben. Das würde uns jedenfalls freuen.

Wie kam es vor 25 Jahren zu der Patenschaft?

Ingrid Stolpe, die Ehefrau des damaligen Brandenburger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe, hat damals die Fregatte getauft. Im Laufe all dieser Jahre haben wir uns immer bemüht, mehr daraus zu machen, als den Soldatinnen und Soldaten regelmäßig Weihnachtsbriefe zu schreiben und ab und zu mal eine Abordnung im Land zu empfangen.

Was haben Sie sich stattdessen einfallen lassen?

Der Heimathafen der Fregatte ist Wilhelmshaven, das ist ziemlich weit weg. Die Besatzung kann also nicht immer zu uns kommen, und wir können auch nicht immer dorthin fahren. Zur Patenschaft gehört gegenseitiger Austausch: Man besucht sich gegenseitig, man versucht, darzustellen, was das Schiff macht, wie die Soldaten dort arbeiten, und umgekehrt ebenso. Wir versuchen zu zeigen, wie groß unser Bundesland ist, wie unterschiedlich, wie schön, welche Stärken es hat, aber eben auch, welche Industriestandorte. Denn nicht alle der Soldatinnen und Soldaten auf der Fregatte sind ja Berufs-, sondern viele von ihnen auch Zeitsoldaten. Und wenn sie nach ihrem Dienst im beruflichen Leben im zivilen Alltag wieder unterkommen wollen, bieten wir natürlich immer Unterstützung an – wenn sie sich denn in Brandenburg ansiedeln wollen.

Die Patenschaft also über gegenseitige Besuche hinaus?

Ja, weit darüber hinaus. Dazu gehört auch, dass die Fregatte ihrerseits eine Patenschaft für ein Kinderheim in Trebbin übernommen hat. Immer, wenn die Soldaten in Brandenburg sind, fahren sie auch dorthin. Im Gegenzug werden Kinder und Jugendliche aus diesem Kinderheim für Ferienaufenthalte auf die Fregatte geholt.

Gibt es weitere Aspekte der Patenschaft?

Ja. Auf dem Schiff hat jeder seine Kammer, in der sind aber nur die wenigsten allein. Es gibt keinen Platz dort, wo man sich sonst privat aufhalten kann. Das „Wohnzimmer“ sind die sogenannten Messen – wo man dann auch essen und sich abends hinsetzen kann. Auf der Fregatte gibt es vier davon: Mannschaftsmesse, Unteroffiziersmesse, Portepeeunteroffiziersmesse und Offiziersmesse. Und die Portepeeunteroffiziersmesse hat ihrerseits eine eigene kleine Patenschaft mit den „Langen Kerls“ in Potsdam, einem Verein, der die Tradition der Potsdamer Riesengarde pflegt. Und der Werderaner Tannenhof stiftet in jedem Jahr die Weihnachtsbäume für die Messen und das Flugdeck.

25 Jahre sind nicht das erste Jubiläum. Wie haben Sie die Patenschaft in den vergangenen Jahren gefeiert?

Ein Highlight war das Jubiläum „20 Jahre Patenschaft“. Dafür haben wir damals einen Marsch komponieren lassen für die Fregatte. Soweit mir bekannt, ist die „Brandenburg“ das einzige Schiff der deutschen Marine, das einen eigenen Marsch hat! Das Landespolizeiorchester hat den Marsch damals auf dem Flugdeck des Schiffes uraufgeführt.


Das war ja schon etwas sehr Besonderes. Wie konnten Sie das zum 25-jährigen Jubiläum noch toppen?

Wir haben uns alle getroffen – Landtag, Landesregierung, Lange Kerls, Landeskommando der Bundeswehr, Landrat – und überlegt, was wir machen können. Die Fregatte selbst hatte auch eine Idee. Solche Ereignisse sind immer auch ein guter Anlass, um sich etwas schenken zu lassen.

Schön, wenn es etwas Bleibendes ist – so wie der Marsch.

Das stimmt. Die Soldatinnen und Soldaten haben damals zwar auch alle eine CD bekommen, aber der Marsch gehört dem Schiff. Daher wollten wir diesmal etwas finden, was zwar für das Schiff ist, aber auch etwas Individuelles für die Soldatinnen und Soldaten.

Was haben Sie sich überlegt?

Die Mannschaft hat sich ein T-Shirt gewünscht, auf dem „Fregatte Brandenburg“ und „Patenschaft“ steht. Im brandenburgischen Hoppegarten hat die Firma Camp David ihren Sitz – die Soldatinnen und Soldaten haben gefragt, ob man dieses T-Shirt nicht dort bestellen könne. Ich nahm daraufhin Kontakt mit der Firma auf. Herr Finkbeiner, einer der Eigentümer, sagte: „T-Shirt kann jeder. Wir machen euch eine Kollektion.“ Die Designer von Camp David haben dann verschiedene Kleidungsstücke entworfen – T-Shirt, Poloshirt, Hoodie und Basecap, das Ganze in zwei Farbvarianten – Ice-melange und Harbour-blue.

Ganz maritim.

In der Tat! Davon waren wir alle so begeistert, dass wir gesagt haben: Der Hoodie ist das Wertvollste, wir schenken jedem Soldaten und jeder Soldatin einen Hoodie zum 25-jährigen Jubiläum. Die Designer haben sich wunderbare Details ausgedacht – die haben wir auch auf dem individuell geprägten Marine Coin aufgegriffen.

Welche Details sind das?

Zum Beispiel die Worte „Naval Base“ in der Farbe Blau-marine – das ist ein Entwurf von Camp David. Die Rückseite der Münze hebt sich damit von der Vorderseite ab, auf der der Schriftzug „25 Jahre Patenschaft Land Brandenburg mit Fregatte Brandenburg“ schon auf den Anlass hinweist.

Das heißt, die Idee mit der Kleidung war zuerst da, dann kam der individuelle Coin hinzu?

So ist es. Wir dachten, ein sogenannter Challenge Coin wäre die ideale Ergänzung, und dann auch noch in Kombination mit dem Hoodie und dem Camp David-Design als verbindendem Element – perfekt!

Warum der genau dieser Bundeswehr Coin?

Das passt einfach zur Marine. Ursprünglich stammt ja die Idee aus den USA, von der amerikanischen Marine, und stellt die Zugehörigkeit zu einer Einheit dar. Diesen Marine Coin sollte man in der Regel in der Tasche haben – für den Fall eines „Coin Checks“. Dann muss man ihn vorzeigen, und wer ihn nicht dabeihat, gibt eine Runde Getränke aus. Das ist inzwischen auch bei der Bundeswehr sehr verbreitet.

Wie einfach oder schwierig war die Umsetzung? Solche Designdetails wie das von Camp David sind ja urheberrechtlich geschützt.

Camp David und auch die Führung der Fregatte – für die hat ja letztlich Camp David alles entworfen –haben uns erlaubt, das Design einmalig für diesen individuellen Marine Coin zu verwenden beziehungsweise für alles, was wir im Rahmen dieses Jubiläums sonst noch vorhatten.

Taucht das Detail auch noch woanders als auf dem Coin auf?

Ja, die Brauerei in Templin etwa hat ein spezielles Bier gebraut und es mit einem Jubiläumsetikett beklebt – da taucht das Motiv „Naval Base“ ebenfalls auf.

Wie groß ist der Coin?

Da haben wir lange überlegt. Normalerweise sind Coins etwas kleiner. Unserer ist eine Mischung aus Coin und Medaille, denn, wenn man ihn umdreht, hat man die Medaille mit dem Brandenburger Wappen, dem Adler.

Die Soldaten haben also einen Hoodie und einen individuellen Coin bekommen?

Und ein EPA! Ein Paket, das Soldaten als Einmann-Notration erhalten. Jeder Landrat hat aus seinem Landkreis ein typisches Produkt ausgesucht – Einlegesohlen aus Alpaca-Wolle, eine kleine Flasche Eierlikör, Sanddornmarmelade, eine Baumkuchentorte, Tannenlikör, Hanfsamenhonig-Aufstrich und vieles mehr. All das haben wir in ein sogenanntes BB-EPA verpackt, insgesamt 250 Stück. EPA, Hoodie und Coin hat dann jeder Soldat bekommen.


Kameradinnen und Kameraden des Technischen Hilfwerks aus dem Landkreis Barnim haben die EPAs ehrenamtlich alle gepackt und nach Wilhelmshaven transportiert.

Klingt aufwendig. Wie kamen die Geschenke an?

Soldaten fanden es toll! Vor allem, weil wir so vielfältige Dinge über das Land hineingetan haben und sie so viele Infos über Brandenburg dazubekommen haben. Was den finanziellen Aufwand anging, hatten wir mit Hoodie und EPA ziemlich unser Budget ausgeschöpft.

Daher waren wir froh, dass sich für den individuellen Marine Coin zwei Sponsoren gefunden haben, der Verein Pro Brandenburg e.V. und die Sparkasse Barnim – sie haben sich zusammengetan und den Coin für uns beim Taler bestellt. Die Zusammenarbeit mit derTaler war so unkompliziert und die Mitarbeiter unglaublich hilfsbereit – die Firma ist in Vorleistung gegangen, auch als die Finanzierung noch in der Schwebe war, das hat uns sehr entlastet. Da kann man nur herzlich Danke sagen!


Wie haben Sie dann den Marine Coin, Hoodie und EPA übergeben?

Am 31. Oktober 2019 sind wir mit großer Delegation zur Party nach Wilhelmshaven gereist – mit der Landtagspräsidentin, dem Innenminister, den Langen Kerls, THW und der Combo vom Landespolizeiorchester. Der Aufwand hat sich gelohnt – die Mannschaft war begeistert.